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Maschinensicherheit CE


Maschinensicherheit und Konformitätserklärung - Begriffe die uns in der Arbeitswelt vor allem als Hersteller immer wieder begleiten. Zu diesem Thema gibt es viele Mythen und Unwissenheit. Wir wollen hier die wichtigsten Punkte aufzeigen und aufklären! Wer stellt eine Konformitätserklärung aus? Wie wird die Konformität festgestellt? Was heißt eigentlich "Konformität"? und wer haftet hier für die Sicherheit? Hier gibt es eine Übersicht!

WAS ist die maschinensicherheit, wen betrifft sie, Woher kommt sie?

Die Maschinensicherheit wird durch eine europäische Richtlinie definiert. Die sogenannte Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (früher 98/37/EG). Sie sagt aus, wie eine Maschine gebaut werden muss damit sie "sicher" ist. Doch was heißt  "sicher"? Sicher heißt, dass Personen die mit der Maschine oder im unmittelbaren Bereich einer Maschine arbeiten nicht verletzt werden dürfen. Damit das nicht passieren kann muss die Maschine den grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen der Maschinenrichtlinie entsprechen!

Was heißt das für mich? Naja, das hängt ganz davon ab aus welche Sicht das "ICH" zu sehen ist. Wir schauen uns die Sichtweisen seitens des Herstellers, des Betreibers und des Bedieners einer Maschine genauer an:

Sichtweise DES BedienerS:

Nehmen wir folgende Situation an:

Ich bin Angestellter bzw. Arbeiter einer Firma und muss im Betrieb an einer Maschine arbeiten. Es ist eine einfache Fräsmaschine in einem Metallbaubetrieb. Wie kann ich als Laie feststellen ob diese Maschine "sicher" ist. Grundsätzlich ist diese Frage im Normalfall nicht zu stellen weil im österreichischen Recht der Betreiber, also mein Vorgesetzter für die Verwendung sicherer Maschinen verantwortlich ist. Genaueres dazu findet Ihr im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) unter folgendem Link:  ASchG als pdf. (ris)

 

Ganz darauf ausruhen darf man sich allerdings auch nicht, denn das Gesetz besagt auch, dass Arbeitnehmer eine Meldepflicht bei Feststellung von offensichtlichen Mängeln, etc. haben. Ich möchte hier nicht tiefer ins Detail gehen weil das Thema so umfangreich ist, aber eines merkt euch: Stellt Ihr Mängel fest oder fallen euch sicherheitstechnische Probleme auf, müsst ihr diese eurem Vorgesetzten melden!

 

SICHTWEISE DES BETREIBERS DER MASCHINE:

Welche Verpflichtungen in Punkto Maschinensicherheit betreffen den Betreiber einer Maschine, vor allem wenn Arbeitnehmer damit arbeiten müssen?

Grundsätzlich sollte es so sein, dass Maschinen die ab 1994 in Österreich in Verkehr gebracht wurden (also vom Betreiber gekauft wurden) schon der damals gültigen Maschinenrichtlinie entsprechen und eine CE-Kennzeichnung aufweisen. 

 

Kann ich dann als Betreiber darauf vertrauen, dass die Maschine sicher ist? Grundsätzlich ja, außer ich stelle auf Grund meines eventuell vorhandenen Fachwissens fest, dass die Maschine eben nicht sicher ist. Dann muss ich trotzdem reagieren und etwas verbessern.  

 

Was tun wenn ich aber eine ältere Maschine im Einsatz habe, also vor Baujahr 1994 und ohne CE-Kennzeichnung? Muss ich diese Maschinen austauschen bzw. erneuern? Nicht zwingend. Die alten Maschinen müssen einer Evaluierung bzw. Risikobeurteilung nach dem Abschnitt 4 der Arbeitsmittelverordnung (AM-VO) unterzogen werden. Stellt man fest, dass die Maschine dem Abschnitt 4 entspricht, kann man diese weiter verwenden. Sollten Umbauten und/oder Verbesserungen notwendig sein um den notwendigen Sicherheitsstandard zu erreichen, müssen diese natürlich fachgerecht umgesetzt werden.

 

SICHTWEISE DES HERSTELLERS

Als Hersteller von Maschinen die man im EU-Raum verkaufen möchte (also in Verkehr bringt) muss man die Maschinenrichtlinie einhalten. Es ist sogar verboten Maschinen in Verkehr zu bringen, ohne dass diese über eine Konformitätserklärung verfügen oder eine Bedienungsanleitung mitgeliefert wird. 

 

Wie kommt man zu so einer Konformitätserklärung? Einfach selbst ausstellen und irgendwer in der Firma unterschreibt? NEIN, hier ist Vorsicht geboten. Vor allem als gewerberechtlicher Geschäftsführer haftet man im schlimmsten Fall sogar persönlich für mangelhafte Maschinen.

 

Wie kommt man also zu einer Konformitätserklärung? Das ist ein Prozess, der im besten Falle schon bei der Planung startet und den gesamten Projektverlauf einer neuen Maschine begleitet. Dabei muss der Hersteller die Risiken für die/den Bediener der Maschine feststellen und beseitigen. Die richtige Vorgehensweise für diesen Prozess regeln unter anderem die Maschinenrichtlinie selbst sowie technische Regelwerke und Normen.

Der gesamte Prozess nennt sich Risikobeurteilung. Diese ist eine der Grundlagen um eine Konformitätserklärung ausstellen zu können und muss auch dokumentiert werden.

Risikobeurteilungen müssen nicht zwingend selbst gemacht werden, man kann dazu befugte Unternehmen (z.B. Ingenieurbüros, Ziviltechniker, TÜV, technische Unternehmensberater, Sachverständige) damit beauftragen. Eine Auswahl dieser Unternehmen findet Ihr z.B. auf engineer4u.at.

 

Eine weitere Grundlage zur vollständigen Inverkehrbringung ist eine Dokumentation, besser bekannt als Betriebsanleitung oder Bedienungsanleitung. Diese muss definierte Inhalte aufweisen und ist als Teil der Maschine verpflichtend mitzuliefern. 

 

Soweit so gut, doch was heißt jetzt eigentlich Konformitätserklärung und wer stellt diese aus?

DIE KONFORMITÄTSERKLÄRUNG

Die Konformitätserklärung "erklärt", dass die Maschine der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG entspricht, also "konform" ist. Der Begriff konform heißt also nichts anderes, als das etwas deckungsgleich bzw. übereinstimmend ist. 

Wer kann jetzt bestätigen dass die Maschine den Sicherheitsstandards entspricht? Hier kommen wir wieder zum Hersteller. Der Großteil der gebauten Maschine kann und muss vom Hersteller selbst bewertet und bestätigt werden. Der Hersteller stellt also auch die Konformitätserklärung aus. Unterzeichnet werden muss diese von einer verantwortlichen Person, im Regelfall ist das der gewerberechtliche Geschäftsführer. 

 

ACHTUNG: Einfach jemand anderen unterschreiben zu lassen (z.B.: Technischen Leiter, etc.) ohne rechtlich und vertraglich die Verantwortlichkeit zu regeln entbindet den Geschäftsführer nicht von seiner Haftung!

 

Es gibt auch eine Vielzahl von Maschinentypen, welche nicht nur vom Hersteller sondern verpflichtend von einer externen sogenannten Notifizierten Stelle (notified body) geprüft werden müssen, z.B.:

  • Kreissägen
  • Abrichthobelmaschinen
  • Bandsägen
  • Handkettensägen (Motorsäge)
  • Pressen
  • Spritzgießmaschinen
  • Fahrzeughebebühnen
  • uvm.

Eine Liste der notifizierten Stellen findet ihr hier

Wie erkennt man eine konforme maschine?

Die Hersteller von Maschinen müssen auf jede Maschine ein Typenschild anbringen, das neben der Herstelleranschrift auch eine Typenbezeichnung und eine Seriennummer aufweisen muss. Je nach Maschinenart sind auch noch weitere Daten verpflichtend auf der Maschine anzuschreiben. Jedenfalls muss am Typenschild auch das genormte CE-Zeichen aufgedruckt sein.

Zusätzlich muss der Hersteller eine Bedienungsanleitung mitliefern, in welcher auch die Konformitätserklärung enthalten ist! 

 

Der Hersteller muss Typenschild und Bedienungsanleitung auch immer in der jeweiligen Amtssprache des Landes der Inverkehrbringung ausstellen!

 

Sind Typenschild und Bedienungsanleitung mit Konformitätserklärung vorhanden, kann man von einer konformen Maschine im Sinne der Sicherheit ausgehen.

Beispiel für ein Typenschild mit CE-Zeichen
Beispiel für ein Typenschild mit CE-Zeichen

Bedeutet CE-Konform auch qualität?

Das kann man so nicht sagen! CE-Konform heißt , dass man bei der Maschine von einem Mindestsicherheitsniveau lt. Maschinenrichtlinie ausgehen kann.

Was sagt das aber über die Qualität der Maschine aus? Im Prinzip nicht viel!

 

Ein Beispiel: Ich kaufe mir eine "billige" Kreissäge im Baumarkt. Diese hat (oder besser muss haben) eine CE-Kennzeichnung und auch die Bedienungsanleitung und die Konformitätserklärung sind vorhanden. Somit kann ich davon ausgehen dass die Kreissäge schon mal sicher ist. Heißt das aber auch, dass ich mit der Kreissäge dicke Buchenscheiter schneiden kann ohne dass das Kreissägeblatt sofort stumpf wird? Leider nein!

 

Fazit: Die CE-Kennzeichnung gibt uns leider keine Auskunft wie "gut" das Produkt im Vergleich zu anderen ist. Es legt grundsätzlich nur die "Mindeststandards" fest.

Aber dafür gibt´s dann ja die Produkttester und Co.

 

 

Kann ich eine maschine mit ce-Zeichen bedenkenlos aus nicht-eu ländern importieren und verkaufen?

Hier muss man besonders aufpassen. Andere Länder, andere Sitten wie man so schön sagt. Länder wie z.B. China wissen natürlich, dass man eine CE-Kennzeichnung braucht um Produkte im EU-Raum verkaufen zu dürfen. Oft passiert es aber dass diese einfach angebracht wird ohne sich wirklich Gedanken über die Sicherheit zu machen. Also der Prozess der Risikobewertung wird einfach weg gelassen. 

 

Und jetzt kommt´s! Die Verantwortung und Haftung für das Produkt hat das Unternehmen, welches die Maschine das erste Mal im EU-Raum in Verkehr bringt! Das heißt, wenn ich als Unternehmer eine Maschine importiere und in meinem Betrieb einsetze oder verkaufe bin ich der Inverkehrbringer! Somit liegt die komplette Herstellerverantwortung auf einmal bei mir, obwohl ich die Maschine gar nicht selbst gebaut habe! Die Haftung für Unfälle wird dann auf mich fallen.

 

 

Ich hoffe wir konnten einen Überblick über diese umfangreiche Thematik geben, sollten detaillierte Fragen auftauchen oder Ihr euch unsicher sein, zögert nicht uns zu kontaktieren - natürlich unverbindlich und kostenlos!

 

Ihr Spezialist und Ansprechpartner zum Thema Maschinensicherheit:

Ing. Alexander Zechner

az@ibbz.at

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"Es geht um die Freude an der Arbeit. Es gibt kein größeres Glück, als die Erkenntnis, dass wir etwas erreicht haben!"

... wieder von Henry Ford, könnte jedoch auch von uns sein!

"Die Ingenieurbüros Bischof & Zechner" sind ein Zusammenschluss dreier Einzelunternehmen:

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